Das Logische Haus

„When I was young, it seemed that life was so wonderful
A miracle
Oh, it was beautiful, magical“

Supertramp – The Logical Song

Alle Menschen können logisch denken.
Und tun das auch, grade in (leicht-)politischen Diskussionen.
Wie kommt es also, dass man da trotzdem öfter mal den Eindruck bekommt:
„Das ist unlogisch!“, was die Person da sagt?
Darum geht’s in diesem Artikel.

Eine Argumentation stelle ich mir oft wie ein Haus vor.
Also sehr schemenhaft, Haus-vom-Nikolaus-mäßig, wo eine Strebe in die andere greift.
Dieses „logische Haus“ hat ein Fundament, auf dem gebaut wird.

Das logische Haus sind die Argumente, die ausgesprochen werden.
Das Fundament sind die Prämissen, Werte, Vorannahmen, etc., die unausgesprochen bleiben.
Und diese Fundamente unterscheiden sich sehr zwischen Menschen.

Nun nehmen wir mal an, zwei Menschen schauen auf eine Baustelle (also: ein Thema, das diskutiert wird).
Dann fängt eine Person an zu bauen. Ihr Fundament steht weiter links. Die andere Person schaut dabei zu. Ihr Fundament steht weiter rechts. An einem gewissen Punkt sagt dann letztere zu ersterer: “Hier hätte ich jetzt weiter nach rechts gebaut.” Na klar, weil da ihr Fundament steht. Stattdessen baut die Person weiter nach links, weil da ihr Fundament steht. Da denkt sich die zweite Person: “Ach du meine Güte, das wird ja niemals halten! Es ist einfach unlogisch, an der Stelle nach links zu bauen, es wäre viel sinnvoller, da nach rechts zu bauen!”. Andere Zuschaur:innen, deren Fundament auch weiter rechts steht, stimmen zu und meinen: “Na klar, ist doch offensichtlich! Wie dumm muss man sein, um da weiter nach links zu bauen?”

In dem Fall hat die Aussage: “Das ist unlogisch!” gar nichts mit den ausgesprochenen Argumenten zu tun, sondern mit den unausgesprochenen Fundamenten, die darunter stehen.

Natürlich gibt es auch Fälle, in denen tatsächlich unlogisches geschieht, in dem eine Strebe nicht zur anderen passt oder einer anderen widerspricht.

Um aber zu wissen, ob das der Fall ist, muss man vorher ausschließen können, dass diese anscheinend unlogischen Argumente nicht doch von irgendwelchen „unsichtbaren“ Fundamenten gehalten werden, die einfach nur einem selber nicht klar sind, aber für die bauende Person selbst-verständlich sind.

Um einer Person also vorzuwerfen, was sie sage sei unlogisch, braucht es sehr gute Kenntnisse:

  • der eigenen Vorannahmen, und:
  • der Vorannahmen der anderen.

Man muss sowohl wissen, was für die andere Person als selbstverständlich (und deswegen in der Argumentation als nicht weiter erklärenswert) und auch, was für einen selbst als selbstverständlich gilt (und für die andere Person vielleicht gar nicht relevant ist).

Erst dann kann ich sagen: “Okay, wenn ich einmal Abstand von meinem Fundament und meinem Haus nehme, und mir dein Fundament und Haus genau anschaue (ohne es in voller Gänze zu verstehen), meine ich, hier müsste eigentlich noch was hin – wie siehst du das?”

Und wenn sich dann rausstellt, dass das wirklich nicht zusammenpasst, kann man immer noch sagen: “Ich stehe auf diesem Fundament, dessen bin ich mir bewusst. Und du stehst auf einem anderen Fundament. Doch selbst darauf kriegst du es nicht hin, ordentlich zu bauen, wie man an Stelle xyz sieht!“
Und damit hat man eine viel handfestere Kritik, als einfach anzunehmen, alle stünden auf dem selben Fundament wie man selber, und dann reinzurufen, etwas wäre unlogisch, nur weil es auf dem eigenen Fundament keinen Sinn ergibt.

Menschen können zur selben Frage zu völlig unterschiedlichen Antworten kommen, einfach weil sie von unterschiedlichen Fundamenten aus ihr argumentatives Haus bauen.

Wir sind alle Fundament-alisten. Ohne Fundament kommt das logische Denken nicht aus. Niemand denkt im luftleeren Raum, wir haben alle unsere Bezugspunkte, die uns so selbstverständlich erscheinen, dass wir sie selbst zum Teil gar nicht kennen, und dass wir sie anderen nicht unbedingt explizit zeigen, sodass es in der Debatte einfach ist, sie zu vergessen. Dann führt die Debatte aber in ein Nichts, in dem alle sagen, sie hätten ihre Gegenüber mit Logik zerstört, aber genauso wenig wissen, wie zuvor.

In diesem Sinne:

„Good Morning!“

Scooter – The Logical Song

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